Wie ein kleines Schild in Murnau zum großen Aufreger wurde

Seit zwei Jahren läuft die Sache nun schon. Ein Herr Lobewein (65) aus Seehausen protestiert seit ganzen zwei Jahren. Zwei Jahre! Mittlerweile ist es so weit gegangen, dass Murnau in allen Medien war. Und dabei ging es doch nur um ein Schild, an unserem Maibaum in Murnau.

Ungefähr seit dem 19. Jhd. hängt das Schild mit der Aufschrift “Liebe die Heimat und deren Sitten – dann brauchst du nicht um Fremdes bitten” an unserem Maibaum. Der Grund, warum dieses Schild damals aufgehängt wurde, meint Johannes Köglmayr, der 1. Vorsitzende des Trachtenvereins Murnau, ist, dass Murnauer damals nach Amerika ausgewandert seien. Dies macht sich natürlich bemerkbar und verursacht Schmerz. Um also diese Leute zum Bleiben zu bewegen, hing man dieses Schild auf. Es ist also nicht, so wie es der Protest klar machen wollte, allgemein gegen alles Fremde gerichtet. Und trotzdem hatte man das Schuld vorsichtshalber entfernt, um vielleicht auch dem bevorstehenden Ärger zu entgehen.

Das Schild: Es hängt wieder!

Am Samstag, den 29.02.2020, standen um den Maibaum Trachtler. Eine Bezirkskultur-Chefin, drei Bürgermeisterkandidaten und eine große Menschenmenge gefolgt von großem Applaus. Das Schild wurde nämlich, obwohl es vor zwei Wochen abgeschraubt wurde, wieder angeschraubt.

Niemand hat etwas gegen dieses Schild, doch Herr Lobewein (der Herr aus dem Einstieg) meint, dass Schild sei „fremdenängstlich, fremdenfeindlich, fremdenverachtend und es vertreibt Fremde“. Er meint außerdem, dass wir hier nicht im 19. sondern schließlich im 21. Jhd leben und das Wort “Fremd” nicht gut ankomme. Und genau aus diesem Grund macht Herr Lobewein seit zwei Jahren eine ein-Mann-Demo gegen das Schild. Schon sehr oft hat er sich mit seinen Schildern vor den Maibaum gestellt, wo er unter anderem schreibt: “Wie sonst soll die drohende Erderhitzung abgewendet werden können?!” Sowohl Leserbriefe als auch Kommentare am Maibaum selbst sind keine Seltenheit mehr.

So ein kleines Schild fällt doch gar nicht auf

Vor allem die AFD greift so eine Aufregung natürlich dankbar auf. In Murnau aber ohne jeden Erfolg. Viele Leute finden es sehr schlimm, dass die Rechten das gleich wieder ausnutzen, geschweige denn, dass es fair gegenüber dem Trachtenverein ist. Herr Lobewein selbst meint, dass er sich dafür nicht verantwortlich fühlt.

Das größte Problem der Trachtler ist. dass er sich an den Bürgermeister Rolf Beuting und die Kulturreferentin Elisabeth Tworek wendet, anstatt das persönliche Gespräch zu suchen, obwohl das Rathaus für Maibaum und Schild nicht zuständig ist.

Der Murnauer Maibaum

Schließlich hatte der Vorstand genug. Und, um Schaden vom Verein abzuwenden, hing man das Schild ab. Der Verein erhoffe sich nun endlich Ruhe, doch nicht mit den Murnauern. Immer mehr kamen auf sie zu und haben die Forderung gestellt, es wieder aufzuhängen, da sie nicht im Unrecht sind.

Nun nach so langer Zeit ist es so weit. Das Schild hängt und “A ruah is.”

(Lukas Leimböck, www.worldphotographie.de)

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