Menschenrechte als Grundlage unseres Lebens – das Literaturprojekt der Klasse 9b

von André Nick Geiger

Vorne an der Tafel ein Plakat mit Gesetzestexten. Ein Politiker im Klassenzimmer der 9b und Silke Engelniederhammer, die die Klasse auf ein mehrstündiges Projekt einstimmt. Genau. Hier sind wir richtig. Es geht um das Projekt Menschenrechte. Die 9. Klasse wird dieses Thema in einem Workshop zusammen mit Lehrerin Engel, Bürgermeister Rolf Beuting und Schriftsteller Jörg Steinleitner, der als Schriftsteller in Riegsee wohnt, durchführen.

Klassenzimmer der 9b beim Literaturprojekt über Menschenrechte

Thematisierung der Menschenrechte als Basis für Kurzgeschichten

Steinleitner erzählt zu Beginn seiner Geschichte von einem Jungen aus Eritrea, der als Flüchtling nach Deutschland kam. Er schildert, dass niemand den Eritreianer aufnehmen wollte. Mittlerweile hat er eine Lehrstelle in der Umgebung und spielt im Fußballverein. Im weiteren Verlauf der Stunde wird deutlich, dass alle Jugendlichen absolutes Interesse für das Thema Menschenrechte zeigen, indem sie die geforderten Aufgaben mit Respekt und Neugierde erledigen. Anna-Sophie Maier schildert ihre Erfahrungen mit “Ausländern” und lässt sich von Lehrerin Engel Tipps geben. Außerdem betont Engel, dass die Presse einige Fälle aufgreift und übertrieben darstellt. Menschenrechte regeln nicht nur das geordnete Zusammenleben aller Menschen, sondern können auch für Jugendliche in der 9. Klasse durchaus interessant sein, wie sich an der gemeinsamen Klassendiskussion zeigt. In den folgenden Unterrichtsstunden wird die Klasse 9b in ihren zugewiesenen Gruppen persönliche Kurzgeschichten zum Thema Menschenrechte verfassen. Möglichst mit vielen, eigenen Erfahrungen, fährt Engel fort.

“Es macht mir Mut für die Zukunft Deutschlands” – Steinleitner begeistert von der 9b

Im abschließenden Interview von bib-murnau.de mit Schriftsteller Steinleitner wurde der Projekttag abgerundet: Wie wichtig ist Ihnen die Zusammenarbeit mit Kindern an Schulen? Steinleitner betonte, dass ihm das sehr wichtig sei. “Ich mache das schon seit 20 Jahren und es ist zum einen spannend, weil man unsere Kinder völlig unterschätzt, was in ihren Köpfen vorgeht. Es ist unglaublich, welche Geschichten sie entwickeln, wenn man sie schreiben lässt. Für mich ist es inspirierend und es macht mir total Mut für die Zukunft Deutschlands. Auch unser Bürgermeister setzt sich für Menschenrechte ein. Er achtet darauf, dass man die Menschenrechte, die vor 70 Jahren von der UN beschlossen worden sind, im Alltag umsetzen kann und dass jeder Mensch gleich ist und dass keiner diskriminiert wird. “Als Kommune haben wir viele Möglichkeiten”, betont er. Die 9b habe auf ihn einen sehr interessanten Eindruck gemacht. “Mit den richtigen Fragestellungen und Emotionalität kann man das Interesse wecken und eine ernsthafte Diskussion anregen. Es darf aber auch nicht zu abstrakt sein”, rundet er das Interview ab.

Ein Held wird gesucht – Schreibimpulse für Kurzgeschichten

In der zweiten Unterrichtsstunde zum Literaturprojekt beginnt Jörg Steinleitner die Projekteinheit mit dem Rückblick zu einem Gedanken, der ihn die vergangenen Tage begleitete. Steinleitner vertieft das Projekt, indem er aus dem Buch “Wir haben die Wahl – warum wir gerade jetzt für unsere Freiheit einstehen sollten”, das von verschiedenen Autoren verfasst wurde und im Piper Verlag erschienen ist, vorliest und anschließend einen weiterführenden Gedanken aufgreift.

Die Klasse 9b hat nicht nur die Aufgabe, Menschenrechte zu diskutieren, sondern auch aktiv zu werden. Dazu sollen sie eine Kurzgeschichte zu einem Menschenrecht ihrer Wahl verfassen. “Konzentriert euch auf eine Figur, auf einen Helden”, gibt Steinleitner an. Im weiteren Verlauf gibt der Projektleiter sinnvolle Tipps, wie eine Kurzgeschichte generell aussehen könnte. Der Held braucht eine Identifikation, anschließend ein Problem oder einen Konflikt, den er zu lösen hat und abgerundet wird der Text, indem sich der Held verwandelt und eine Pointe vom Hauptteil in den Schluss überleitet. “Ihr müsst eine Handlung erfinden”, betont Steinleitner und er macht gleichzeitig auf den Unterschied zwischen Thema und Geschichte aufmerksam.

Anschließend werden die Schreibideen besprochen. Jeder Schüler äußert seinen Vorschlag für einen Text, den er innerhalb seiner Gruppe schreiben wird. Autor Steinleitner sucht daraufhin mit der Klasse nach einer konkreten Ausarbeitung für die Kurzgeschichten, die die Schüler dazu motivieren soll, eine Menschenrechtsgeschichte zu verfassen. Die Gewinnergruppe erwartet einen Kriminalroman, den Steinleiter verfasst hat und persönlich signieren wird. Auch Lehrerin Engel ist aktiv und motiviert die Schüler bei der Umsetzung ihrer Geschichten.

Alles in allem stellt dieses Projekt eine willkommene Abwechslung zum Deutschunterricht dar.

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