Wenig Slammer, wenig Zuschauer beim Poetry Slam im Schlossmuseum – enttäuschender Start der Kulturwoche in Murnau

von Nick Geiger

Mit 15 Minuten Verspätung startete die Murnauer Kulturwoche den alljährlichen Dichterwettstreit, auch Poetry Slam genannt, bei dem Schüler und Poeten aller Art ihre selbst geschriebenen Texte vortragen durften. Um das leibliche Wohl der Gäste kümmerte sich das Staffelsee-Gymnasium Murnau, während die Band “Geistiger Unrat” in den Zwischenpausen der musikalischen Unterhaltung diente.

Moderator Stefan Korfesmeyer und der Stargast Dave Appleson aus der Münchner Slamszene versuchten das Publikum auf den Wettstreit um den Siegerpokal einzustimmen. Appleson las gleich mehrmals seine Poetry-Slam-Texte, was die Rolle des Opferlamms darstellen sollte. Die Zuschauer – die meisten waren ein erstes Mal auf einem Poetry Slam – mussten erst ein Gefühl dafür bekommen, um was es bei diesem Veranstaltungsformat geht. Mit Aufwärmübungen, wie dem “Applausscheck”, sollte das Publikum aktiv werden lassen. Es war der Versuch, eine Veranstaltung, die im vergangenen Jahr noch mehr als 150 Gäste in den völlig überfüllten Vortragssaal des Schlossmuseums lockte, doch noch irgendwie zu retten. 2018 kamen am Ende geschätzte 35 Gäste. Eine traurige Zahl.



Der Münchner Dave Appleson beim U20-Bayernslam 2016…


Waren es im vergangenen Jahr 12 Slammer, die auf die Bühne des Schlossmuseums ihre Texte performten, traten dieses Jahr nur vier Teilnehmerinnen und Teilnehmer gegeneinander an: die Titelverteidigerin Luise Kwak, Chiara von Warnstdorf, Halli-Hou und Jonathan Glück. Halli-Hou, ein gebürtiger Afghane, der 2010 nach Deutschland kam, stach besonders durch seinen witzigen, jedoch alltäglichen Text über die Tücken der deutschen Sprache heraus. Aber es wurden nicht nur witzige Texte performt, sondern auch Nachdenkliche und Persönliche, wie “Schrei” von Chiara. Jonathan Glück versuchte im wahrsten Sinne des Wort sein Glück mit dem Liebesgedicht “Hallo Schatz”.

Nach einer 15-minütigen Pause wurde der Sieger durch das Publikum gekührt. Jeder Gast musste hierfür auf einem Zettel die Nummer des Slammers schreiben, den er für den Gewinn des Wanderpokals für würdig hielt. Halli-Hou gewann deutlich mit dem Text “Deutsche Sprache”, bei welchem sich das Publikum hinsichtlich des Inhaltes sehr amüsierte.

Meiner Meinung nach hätte der Poetry Slam etwas mehr aufbereitet werden sollen. Mir persönlich hat der Showeffekt gefehlt. Die Teilnehmer haben sich sehr viel Mühe gegeben, ihre Texte zu performen. Auch der Sieger wurde viel zu wenig für seine Leistung geehrt. Danke trotzdem an das leckere Catering und für den freien Eintritt. Vielleicht schafft man im kommenden Jahr wieder einen angemessenen Rahmen für diese Veranstaltung, die so viel Potenzial hätte…

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